„Flexitarier“, „Wutbürger“, und „Twitterreich“, wenn es um Wortneuschöpfungen geht, kennen die Deutschen keine Grenzen. Meistens haben sie allerdings nur eine relativ kurze Halbwertszeit. Ganz anders dagegen der „Flexitarier“, der aus Amerika nun auch bei uns ankommt. Doch was hat es damit auf sich?


Flexibel und teilzeitvegetarisch, so kommt die neue Bezeichnung daher und wurde prompt 2003 von der American Dialect Society zum nützlichsten Wort des Jahres gewählt. Ob er nötig ist oder nicht, darüber lässt sich fabelhaft streiten.

Fleisch in Maßen

Ein „Flexitarier“ oder umgangssprachlich auch mehr oder minder abwertend „Wochenend- oder Teilzeitvegetarier“ genannt, umfasst alle Menschen, die sich umweltbewusst ernähren, aber trotzdem nicht komplett auf Fleisch verzichten wollen. Wenn es mal ein Steak oder Würstchen sein muss, dann bitte Bio-Produkte. Laut einer Forsa-Umfrage vom Juni 2011 gibt es in Deutschland bereits 42 Millionen von ihnen, Tendenz steigend.

Weder Vegetarier, noch Normalo

Kritiker sagen dieser heterogenen Gattung eine Einstellung ohne Rückrat nach. „Nichts Halbes und nichts Ganzes“ verträten Personen, die sich vegetarisch ernähren, aber an wenigen Wochentagen das Gebot, auf Fleisch zu verzichten, umgehen. Denns Biomarkt geht hier in die Offensive und lädt auf seiner Facebook-Seite ein, „Flexitarier“ zu werden. Aktuell fällt die Begeisterung dafür eher mäßig aus, von den rund 23 Millionen aktiven Nutzern in Deutschland machen nur 338 durch Klick auf den Gefällt-mir-Button mit. Darüber, ob man nur durch diese Bekennung richtig „flexitarisch“ leben kann, lässt sich allerdings streiten.

Eine Gruppe mit Zukunft

Der Vegetarierbund dagegen nimmt die neuen Mitglieder mit offenen Armen auf. Er spricht sowohl den Vegetariern, als auch den „Flexitariern“ eine tragende Rolle zu. Händler und Gastronomen täten daher gut daran, die Teilzeitvegetarier bei ihren Sortimenten und Menüfolgen besser einzuplanen. Vegetarische Lebensstile würden zukünftig immer wichtiger werden und sehr häufig würden die Vegetarier bzw. Teilzeitvegetarier in heterogenen Gruppen entscheiden, wo eingekauft bzw. gegessen werde.

Mit offenen Augen essen

Ob mit oder ohne Bezeichnung – wie ein „Flexitarier“ zu leben, ist generell eine gute Sache. Die Lebensweise bietet einen guten Kompromiss zwischen Radikalumstellung und ignorantem Fleischverzehr, ist gesund und öffnet manch einem die Augen bezüglich Tierschutz. Wer weiß, vielleicht schafft diese neue Gattung auch, eine Brücke zwischen den Essgewohnheiten zu schlagen…