Lange Zeit wurden die jüdischen Speisegesetze von Nichtjuden einfach nur als streng und wenig schmackhaft angesehen. Doch eines haben sie dem Bio-Trend unserer Zeit voraus: Es gibt sie schon seit tausenden von Jahren und koscher ist mindestens genau so gesund!


Gerade im christlichen Abendland ist Bio zu einer neuen Religion geworden. Sich Bio zu ernähren ist identitätsstiftend. Mit ihren Speisegesetzen schafft das Judentum genau dies aber schon wesentlich länger. Das ist doch koscher, oder?

Die Bedeutung von koscher

Koscher bedeutet nichts anderes als sauber, rein. Bevor ein Lebensmittel als koscher gelten darf und auch ein entsprechendes Zertifikat bekommt, wird deren Herstellung sorgfältig überwacht. Gerade diese strengen Kontrollen der koscheren Lebensmittel machen sie für Anhänger der Bio-Esskultur interessant.

Der Bio-Bereich dagegen schockiert immer wieder mit Skandalen. Es gibt einfach zu viele schwarze Schafe und offenbar keine Kontrollen, die auch nur im Entferntesten streng genug wären. Anders ist das bei koscher-zertifizierten Lebensmitteln. Hier sind die Kontrollen sehr streng.

Die Kaschrut – die jüdischen Speisegesetze- unterteilen Lebensmittel in drei Gruppen. Es gibt die fleischigen, die milchigen und die neutralen Lebensmittel. Die Fleischigen und die Milchigen dürfen niemals gemischt werden. Nach dem Verzehr der einen Gruppe muss auch immer eine angemessene Zeit gewartet werden, bis etwas aus der Anderen gegessen werden darf.

Für beide Lebensmittelgruppen existiert in der Regel auch gesondertes Geschirr. Dieses wird getrennt voneinander aufbewahrt und getrennt voneinander gereinigt.

Die neutralen Lebensmittel können nach Belieben mit entweder den fleischigen oder den milchigen kombiniert werden. Hierunter fallen alle Obst-, Getreide- und Gemüsesorten, aber auch Fisch, Eier und Honig.

Koscheres Essen ist gesund

Wer sich Lebensmittel mit einem Koscherzertifikat kauft, der bekommt vor allem eines: Ein nahezu zusatzstofffreies Produkt. Die Liste der verbotenen Zusätze ist lang und es sind eine Menge bedenklicher Zusätze darauf zu finden.

Über trans-Fette braucht man sich beispielsweise bei koscheren Lebensmitteln keine Gedanken mehr zu machen. Speisefette und-öle sind nämlich nicht koscher. Genauso wenig sind es die diversen Farbstoffe, die gern mal von der Industrie zugesetzt werden, um die Nahrung schmackhafter aussehen zu lassen. Das EG-Bio-Siegel lässt vieles davon zu, der Rabbi nicht.

Dass Konservierungsstoffe nicht gesund sind, ist den meisten von uns bekannt. Sie können zudem Allergien auslösen. In koscheren Lebensmitteln sind die meisten Konservierungsstoffe nicht erlaubt. Dasselbe gilt auch für diverse Antioxidantien. Damit werden Fleisch- und Wurstwaren länger frisch gehalten. Sie werden dann einfach nicht so schnell ranzig.

Fleisch mit Koscherzertifizierung

Nach den Kaschrut dürfen nicht alle tierischen Produkte verzehrt werden. Erlaubt sind nur die von koscheren Tieren. Das sind nahezu alle Tiere, die ohnehin schon auf unserem Speisezettel stehen. Als koscher gelten alle Wiederkäuer, die gespaltene Hufe haben. Im Fall von Meerestieren müssen diese Flossen und Schuppen haben.

Würde man sich bei den Fischen an die Kaschrut halten, kaum vorstellbar, wie nachhaltig wir leben könnten. So mancher Ozean wäre nicht beinahe leer gefischt und auf die Garnelenfarmen könnte ganz verzichtet werden.

Eine kleine Ausnahme bei den tierischen Produkten spielt der Honig. Dieser stammt von einem nichtkoscheren Tier, einem Insekt. Allerdings kam der Nektar nicht mit dem Verdauungsapparat der Biene in Berührung, sodass er im technischen Sinne nicht als deren Produkt gilt. Damit ist Honig koscher.

Koscheres Fleisch stammt eigentlich hauptsächlich aus dem europäischen Ausland oder direkt aus Israel. Das betäubungslose Schächten, welches aber von den jüdischen Speisegesetzen vorgeschrieben wird, ist in Deutschland nicht erlaubt.

Tote Tiere gelten im Judentum als nicht koscher. Dasselbe gilt für das betäubte Tier. Beide dürfen auch nicht geschächtet werden. Jedenfalls würde sie das nachträglich nicht mehr koscher machen. An den Schächter stellen die Kaschrut zusätzliche Voraussetzungen. Es muss sich um einen Mann handeln, der selbst koscher und gottesfürchtig lebt. Er muss durch und durch gut sein und es muss ihm leid tun, dass er dem Tier das Leben nehmen muss.

Das Fleisch gilt nach dem Schächten deshalb als rein, weil es nahezu blutleer ist. Im Judentum ist es verboten Blut zu sich zu nehmen, denn es wird als der Sitz der Seele betrachtet. So müssen die Tiere nach dem Schächten lange ausbluten. Vor der Zubereitung soll das Fleisch dann lange gewässert, gesalzen und ausgespült werden. Damit sollen auch die verbliebenen Blutreste weitestgehend minimiert werden.

Wer die Nase voll hat, von all den Lebensmittel- und Bio-Skandalen, der kann auf den Trendzug aufspringen und seine Lebensmittel mit Koscherzertifikat kaufen. Dank der strengen Kontrollen kann man sich auch darauf verlassen, dass das, was drauf steht, auch drin ist.

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